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"Anders leben (lernen)"

Wohlbefinden in Berlin

- Einsamkeit -

Alleinsein sagt nichts über das Wohlbefinden aus, Einsamkeit wohl

In Berlin

Wenn ich in Berlin durch Friedrichshain, Kreuzberg, Prenzlauer Berg oder Mitte radle oder gehe, dann habe ich den Eindruck, dass unsere Stadt zunehmend überquillt vor lauter Menschen und Lebendigkeit.
Wenn ich mir nun aber die Menschen so anschaue, dann stelle ich fest, dass es ebenfalls zunehmend immer weniger freudvolle und wirklich fröhliche Gesichter gibt. Ich gehe davon aus, dass das viele Menschen in unserer Stadt im tiefsten Inneren ihres Herzen traurig und unglücklich sind.
Dies ist veränderbar, ohne Gewalt. Allerdings müssen die Menschen ihre "Komfortzone" verlassen und es wirklich wollen. Auch an dieser Stelle mein Hinweis: Wenn wir unsere gesellschaftlichen Verhältnisse verbesser wollen, dann müssen wir uns selbst und das System neu erfinden. Reparieren oder vermeintlich verbessern wollen, macht letztlich keinen Sinn. Die Erkenntnis ist nicht nicht neu, aber immer noch scheuen sich die meisten Leute davor, diesen Schritt zu gehen. Er ist nämlich nicht nur schön, sondern (zumindest in manchen Phasen) recht beschwerlich.

Definition

Wenn wir uns mit diesem Thema befassen, dann müssen wir vorher eine Übereinkunft bezüglich dessen treffen, welche Wörter wir wie definieren. Hierzu mein Vorschlag:

Alleinsein

Alleine sein ist letztlich immer mal wieder für mehr oder weniger lange Zeit sinnvoll, um den Bezug zu sich selbst nicht zu verlieren, Innenschau zu halten und seine Gefühle und Gedanken zu sortieren. Dieser Zustand bedeutet nicht, dass derjenige keine Beziehungen zu Lebewesen hat. Sie ruhen zu der Zeit nur. Das heißt, sie werden nicht aktiv gepflegt. Er geht in die Abgeschiedenheit, um sich zu erholen, wohl wissend, dass er geliebt wird.

Einsamkeit

Einsamkeit ist ein Leidenszustand, der als behandlungsbedürftig angesehen werden kann. Wobei dieser mit oder ohne Bezug zu anderen Menschen entstehen kann. Um es anders auszudrücken: Nicht jeder Einsame ist alleine. Etliche sind es auch trotz eines Familien- oder Freundeskreises, trotz beruflichen Eingebundenseins und/oder fester Partnerschaft/Ehe.

Internetkontakte

Der "Urglaube" vieler Internetentwickler war bzw. ist auch wohl heute noch die Idee, der Welt zu helfen: Den Menschen die zwischenmenschliche Begegnung zu erleichtern und ihre Bedürfnisse nach kraftgebenden Kontakten ausleben zu können.
Nach der euphorischen Anfangsphase der Internet-Kommunikation wandelt sich die Freude zunehmend in Enttäuschung und Angst. Es bildet sich immer mehr Frustration aus, weil sich herausstellt, dass das Internet nicht wirklich glücklich. Viele Benutzer schlagen damit ihre Zeit tot und merken gar nicht, dass sie sich dadurch immer mehr isolieren und sie immer unzufriedener werden. Oft wird versucht, dies durch Alkohol- und/oder Drogenkonsum auszugleichen. Um ihren Schmerz nicht zu merken, tauchen immer mehr Personen in virtuelle Ersatzwelten ein.

Wunsch nach Nähe

Unsere "Urbedürfnisse", unsere Triebe, die uns zum Wachstum dienen, bestehen nicht nur aus dem Wunsch essen, trinken und schlafen zu und ab der Pubertät uns fortpflanzen zu wollen, sondern ganz besonders auch aus dem Wunsch nach spürbarer Nähe zu anderen Menschen (und/oder anderen Lebewesen). Wir möchten kraftgebenden Haut-/Körperkontakt

Fühlen geht vor Denken

Unser primärer ausgebildeter Sinn, also der, der am ehesten wichtig ist, ist das Fühlen. Diese Aussage steht im Widerspruch zu der von vielen Wissenschaftlern favorisierten Idee, dass das Sehen, das erste wichtige Kommunikationsmittel ist. Ich bin nicht ihrer Meinung.
Fernsehen, Whatsapp, SMSs, Playstation usw. wie auch Twitter, Facebook, Instagram ... können unsere Bedürfnisse nach zwischenmenschlicher Nähe, Sicherheit und Geborgenheit nicht wirklich erfüllen. Diese Wünsche können wir nur in der realen Welt stillen, in der Begegnung "vom Ich und Du zum Wir". Lange darüber nachdenken und sich in Träume verstricken befriedigt nicht das basale Bedürfnis nach Nähe.

Psychosomatische Krankheiten

Einsamkeit bildet in vielen Fällen - Häufigkeit steigend - das Fundament für psychosomatische Krankheiten, Depressionen, Unfälle, Krebs- und Autoaggressionskrankheiten, Selbst-Morde und Suchterkrankungen. Das ist zwar einerseits sehr erschreckend, andererseits birgt es aber auch die Hoffnung in sich: Dass, wenn die wahre Krankheitsursache, also die Einsamkeit, bekannt ist, in vielen Fällen Heilung entstehen kann. Und das ohne Tropfen, Pillen, Salben und Operationen - wenn der Patient es wirklich will. Dazu bedarf es aber in schweren Fällen der Unterstützung durch eine therapeutisch-kompetente Fachkraft.